Das Lotterleben der Studenten – Doch nur die halbe Wahrheit?

Burnout. Burnout? Burnout!

Alle wissen es: Studenten sind faul, Studenten feiern regelmäßig bis zum Exzess und Studenten interessieren sich für alles – außer natürlich, für den erfolgreichen Abschluss ihres Studiums. Hinzu kommt, dass der Staat die Partykasse der Studenten mit öffentlichen Mitteln füllt, ohne, dass sie „einen Finger dafür krumm machen müssen“.
IMG_2627Es ist unkompliziert, alle Studierenden über einen Kamm zu scheren. Noch einfacher ist es, wenn man die Umstände nicht kennt oder sich seine Meinung zu diesem heiklen Thema aus dem „Hören-Sagen“ bildet; die Wahrheit sieht oft anders aus – ganz anders.

Seit Einführung der neuen Bachelor-/Master-Studiengänge wurden nicht nur die Erwartungen an die Studenten, sondern vor allem auch das Tempo an Deutschlands Universitäten deutlich angehoben – ein Grund, warum auch die Langzeitstudierenden langsam aber sicher aussterben. Das Ziel ist es, sein Studium in der Regelstudienzeit zu absolvieren; diese beträgt seit 2011 fünf Jahre. 60 Monate also, in denen beispielsweise ein angehender Lehrer, der auch in seiner Schulzeit (welche mittlerweile ebenfalls dezimiert wurde) keine Extrarunden drehen musste, nicht nur die wichtige Theorie für seine Zukunft an Grund- oder Oberschule zu erlernen, sondern darüber hinaus auch diverse Praktika inklusive Unterrichtsentwürfen und selbstgestalteter und selbstausgeführter Schulstunden zu erfüllen .
Das klingt erst einmal nach gar nicht so viel, doch die anfallenden Klausuren, die durchaus auf die stattliche Summe von 10-15 pro Semester wachsen können, anderthalbstündige Referate, auf die es sich vorzubereiten gilt, seitenlange Hausarbeiten zu den verschiedensten Themen, zeitfressende Recherchen in der Bibliothek, Vorlesungen, Seminare und nicht selten anstrengende Nebenjobs an Supermarktkassen oder in Restaurants, um die Kosten für die eigene Wohnung (oder oftmals sogar nur Zimmer in einer Wohngemeinschaft) begleichen zu können, sind nicht außer Acht zu lassen. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Kombination dem einen oder anderen zu Kopf steigt und die Zahl der vom Burnout-Syndrom betroffenen Studenten rasant in die Höhe schießt – bereits im Jahre 2010 nahmen laut Spiegel.de mehr als 23.000 Studenten den psychologischen Dienst des Studentenwerks in Anspruch – Tendenz steigend! Die Studierenden beklagen den hohen Leistungs- und Konkurrenzdruck und die damit entstehende psychische Taubheit. Die Symptome dieser heimtückischen Krankheit bleiben im Anfangsstadium nicht selten unbemerkt; Antriebslosigkeit dürfte der ein oder andere bereits verspürt haben. Oft ist jedoch damit nicht Schluss – und dann kann es gefährlich für den Betroffenen und sein Umfeld werden. Angst, zu versagen, Angst davor, wie das Leben aussehen könnte, wenn das Studium nicht mit Bestnote bestanden wird, den gesellschaftlichen Absturz stets vor Augen – Zukunftsangst und Tristesse machen sich breit und verschwinden so schnell auch nicht wieder. In schlimmen Fällen folgen auf Depressionen erste Gedanken an Suizid als einziger Ausweg aus dieser Situation.
Als wäre die Situation nicht schon schlimm genug, wird zu oft in den Hintergrund gerückt, dass Menschen, die auf die Universität wechseln, oft erst seit kurzem vor dem Gesetz als erwachsen gelten. Von ihnen wird dann erwartet, nach ihrer Ausbildung mit Anfang 20 die Grundsteine in der Bildung ihrer Schüler zu legen, ziemlich viel Verantwortung, die einem jungen Menschen anvertraut wird.
Es ist an der Zeit, den Schwerpunkt zu verschieben: Indem beispielsweise mehr als nur zwei Praktika in fünf Jahren zu absolvieren sind und dafür weniger (unnötige) Theorie auswendig gelernt werden muss, würden die Studenten wohl ganz anders in die Arbeitswelten gehen. Ein guter Lehrer muss selbstverständlich sein Handwerk aus dem Effeff kennen, auf jede Frage eine Antwort muss jedoch niemand haben. Wichtiger ist es, das Studium mit Elan und Freude zu verlassen. Immerhin übt man seinen Beruf, wenn alles gut geht, den Rest seines Lebens aus – fast 45 Jahre also! Nichts ist schlimmer, als ein unmotivierter Lehrer, der seine Zeit an Schule oder Universität abzusitzen scheint – diese Erfahrung hat vermutlich jeder von uns bereits machen müssen.

Fazit des Ganzen? Meinungen müssen überdacht, Studienreformen überarbeitet und Anlaufmöglichkeiten für gestresste Studenten vermehrt bereitgestellt werden, damit die Psyche erst gar nicht, beziehungsweise so wenig wie möglich, unter dem enormen Erfolgs- und Leistungsdruck zu leiden hat.

Photographies & Content © Herr.vonCharlottenburg

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2 Gedanken zu „Das Lotterleben der Studenten – Doch nur die halbe Wahrheit?

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